Der Skidaumen: Bandläsion, Stener-Gefahr und Daumenspica

Von Fer Jadlaoui – Cast Expert


Die akute Ruptur des ulnaren Seitenbandes (UCL) am Daumengrundgelenk zählt zu den häufigsten Wintersportverletzungen. Ob im Notfallzentrum im Wallis oder in der Hausarztpraxis: Die präzise Unterscheidung zwischen konservativ behandelbarer Zerrung und operationspflichtiger Stener-Läsion entscheidet über die spätere Greiffunktion der Hand.

Unfallmechanismus und Biomechanik

Das typische Trauma entsteht beim Sturz auf die Hand, während die Skistockschlaufe den Daumen gewaltsam nach aussen reisst (forcierte Hyperextension und Hyperabduktion im MCP-I-Gelenk). Das ulnare Kollateralband stabilisiert die Zangengriff-Funktion zwischen Daumen und Zeigefinger; ein Riss führt ohne suffiziente Therapie zum chronisch instabilen «Wackeldaumen».

Klinische Untersuchung und die Stener-Läsion

Vor jeder forcierten Bandprüfung muss eine Fraktur mittels Röntgenbild (inkl. strengem Daumen-Strahlengang) ausgeschlossen werden:

Konservative Gips- und Cast-Behandlung

Partielle Bandrupturen (Grad I und II) sowie stabile, nicht dislozierte Bandausrisse werden für 4 bis 6 Wochen immobilisiert:

  1. Daumenspica-Anlage: Unterarmverband aus mineralischem Gips oder formbarem Kunststoffband (Rigid/Soft-Cast-Kombination).
  2. Gelenkstellung: Das MCP-I-Gelenk wird in 10° bis 15° leichter Beugung und minimaler Adduktion gehalten, um das Band spannungsfrei zu adaptieren.
  3. Freies Endglied: Das Daumenendgelenk (IP-Gelenk) bleibt konsequent frei mobilisierbar, um Sehnenverklebungen des FPL (Flexor pollicis longus) vorzubeugen.

Praxistipp: Testen Sie die Bandstabilität bei starkem Druckschmerz erst nach Einbringen eines Lokalanästhetikums oder überweisen Sie im Zweifel frühzeitig zum Weichteilultraschall / MRT, um eine interponierte Stener-Läsion nicht zu übersehen.

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Fer Jadlaoui

Fer Jadlaoui

Experte für Gips- & Immobilisationstechnik

Mit über 35 Jahren klinischer Erfahrung im Spitalalltag in der Schweiz schult er Ärzte, Pflegefachpersonen und MPA in praxisnahen Gips- und Schienentechniken sowie in der gezielten Komplikationsprävention.

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