Ein Gipsverband stellt den Alltag von Patientinnen und Patienten vor erhebliche Herausforderungen. Eine strukturierte Aufklärung durch das medizinische Fachpersonal vor dem Verlassen der Klinik verhindert Behandlungsfehler und reduziert Notfallkonsultationen.
Wichtige Verhaltensregeln für den Alltag
- Konsequente Hochlagerung: In den ersten Tagen sollte die betroffene Extremität so oft wie möglich über Herzniveau gelagert werden, um den venösen Rückfluss zu fördern und Schwellungen abzubauen.
- Finger- und Zehenbewegung: Nicht ruhiggestellte Gelenke (z. B. Zehen bei Unterschenkelgips oder Finger bei Unterarmgips) müssen regelmässig aktiv bewegt werden, um die Muskelpumpe zu aktivieren und Thrombosen vorzubeugen.
- Schutz vor Feuchtigkeit: Konventionelle Gipse dürfen keinesfalls nass werden. Beim Duschen müssen wasserdichte Schutzüberzüge verwendet werden. Nasse Polsterungen weichen die Haut auf und führen zu schweren Mazerationen.
- Keine Gegenstände einführen: Bei Juckreiz dürfen unter keinen Umständen Stricknadeln, Lineale oder Stifte in den Gips geschoben werden. Dies führt unbemerkt zu Hautverletzungen mit nachfolgenden Infektionen. Kalte Föhnluft hilft oft gegen Juckreiz.
Wann muss sofort ein Arzt aufgesucht werden? (Rote Flaggen)
Patienten müssen angewiesen werden, bei folgenden Warnsignalen unverzüglich die Notfallstation oder den behandelnden Arzt zu kontaktieren:
- Zunehmende, pulsierende Schmerzen, die trotz Schmerzmitteln und Hochlagerung nicht nachlassen.
- Blaufärbung, starke Blässe oder Kältegefühl an Fingern bzw. Zehen.
- Taubheitsgefühl, Kribbeln oder Verlust der Beweglichkeit in den Zehen/Fingern.
- Übler Geruch oder durchnässende Flecken auf dem Gipsverband.
- Bruch, Risse oder übermässiges Wackeln des Gipses.
Praxisempfehlung: Geben Sie jedem Patienten diese Verhaltensregeln schriftlich als Merkblatt mit. Die verbale Instruktion in der Akutsituation wird stressbedingt oft zu mehr als 50% vergessen.