Glossar der Gipsanwendung

Oktober 2024, von Fer Jadlaoui


Die wichtigsten Begriffe rund um Gipsverbände und Schienen kurz erklärt – als Nachschlagewerk für den Kursalltag und darüber hinaus.

Verbandsarten

Zirkulärgips
Ein rundum geschlossener, zirkulärer Gips. Bietet die stabilste Ruhigstellung, wird in der Regel erst eingesetzt, wenn die akute Schwellung abgeklungen ist.
Gespaltener Gips (Spaltgips)
Ein zirkulärer Gips, der längs aufgeschnitten wird, um der Extremität Raum für weiteres Anschwellen zu lassen – Standard in der Akutphase einer Verletzung.
Gipslonguette / Schiene
Eine nicht-zirkuläre, offene Schiene aus Gips oder synthetischem Material, die nur einen Teil des Umfangs bedeckt und mit einer Binde fixiert wird.
Redressiergips
Ein Korrekturgips, der in mehreren Etappen angelegt wird, um eine Fehlstellung oder Kontraktur schrittweise zu korrigieren.
Sarmiento-Gips
Ein funktioneller Gips nach Augusto Sarmiento, der gezielt Bewegung in angrenzenden Gelenken zulässt, während die Fraktur – klassischerweise am Unterschenkel – über den Weichteilmantel stabilisiert wird.
Kahnbeingips
Ein Unterarmgips mit Daumeneinschluss zur Ruhigstellung bei Verdacht auf oder Nachweis einer Kahnbeinfraktur (Skaphoidfraktur).

Material & Technik

Stockinette (Trikotschlauch)
Ein dünner, schlauchförmiger Textilüberzug, der direkt auf die Haut kommt und für einen sauberen, hautfreundlichen Gipsrand sorgt.
Gipspolster / Polsterbinde
Die weiche Zwischenschicht zwischen Haut und starrem Gipsmaterial, die Druckstellen an Knochenvorsprüngen verhindert.
Combicast-Technik
Eine kombinierte Wickeltechnik, bei der Polsterung und Gipsmaterial gezielt so aufeinander abgestimmt werden, dass Stabilität und Tragekomfort gemeinsam optimiert werden – zentraler Bestandteil unserer Praxiskurse.
Intrinsic-Plus-Stellung
Sichere Handstellung mit gebeugten Grund- und gestreckten Mittel-/Endgelenken der Finger, die bei längerer Ruhigstellung Gelenksteifigkeit vorbeugt.

Anatomische Bezugspunkte

Processus styloideus
Knöcherner Vorsprung an Speiche (Radius) oder Elle (Ulna) am Handgelenk – klassische druckgefährdete Stelle.
Malleolus
Der Knöchel am oberen Sprunggelenk, medial und lateral, ebenfalls eine typische Druckstelle bei Unterschenkelgipsen.
Fibulaköpfchen
Oberes Ende des Wadenbeins, in dessen Nähe der Nervus peroneus verläuft – bei zu straffem Verband Risiko für eine Fussheberschwäche.

Dieses Glossar wird laufend ergänzt. Fehlt ein Begriff, den Sie im Kursalltag häufig hören? Schreiben Sie uns über das Kontaktformular.

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Vertiefende Erklärungen zu Druckstellen und zur Winkelmessung nach Neutral-Null finden Sie in den anderen Artikeln im Blog.

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Fer Jadlaoui

Fer Jadlaoui

Experte für Gips- & Immobilisationstechnik

Mit über 35 Jahren klinischer Erfahrung im Spitalalltag in der Schweiz schult er Ärzte, Pflegefachpersonen und MPA in praxisnahen Gips- und Schienentechniken sowie in der gezielten Komplikationsprävention.

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