Distale Radiusfraktur: Reposition und Gipsanlage bei Colles-Trauma

Von Fer Jadlaoui – Cast Expert


Die distale Radiusfraktur loco typico (Colles-Fraktur) ist die häufigste Fraktur des menschlichen Skeletts. Bei der konservativen Behandlung entscheidet nicht nur das Repositionsmanöver, sondern vor allem die korrekte dreidimensionale Gipsmodellierung über die langfristige Handgelenksfunktion.

Typisches Deformitätsmuster

Der klassische Sturz auf die dorsalextedierte Hand führt zu einer charakteristischen Dislokation des peripheren Radiusfragments (Fourchette- oder Bajonett-Fehlstellung):

Prinzipien des Repositionsmanövers

Eine schmerzfreie und gewebeschonende Reposition setzt eine adäquate Anästhesie (Bruchspaltanästhesie oder Plexusanästhesie) sowie kontinuierlichen Längszug voraus:

  1. Aushängen im Mädchenfänger (Extension): Sukzessiver Zug über Zeige- und Mittelfinger unter Gegengewicht am Oberarm stellt die Knochenlänge wieder her und entspannt den Weichteilmantel.
  2. Gezielte Dreipunkt-Manipulation: Manueller Daumendruck direkt auf das dorsale Fragment nach palmar bei gleichzeitigem Gegenzug an der Schaftdiaphyse.

Modellierung des Gipsverbandes

Das veraltete Konzept der extremen Palmarflexion und Ulnardeviation (sogenannte Cotton-Loder-Stellung) ist heute obsolet, da es den Druck im Karpalkanal massiv erhöht und Medianuskompressionen provoziert:

Klinische Verlaufskontrolle: Jede reponierte Radiusfraktur erfordert eine radiologische Röntgenkontrolle nach 4 bis 7 Tagen. In diesem Intervall lässt die posttraumatische Schwellung nach und das Dislokationsrisiko im lockerer werdenden Verband ist am höchsten.

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Fer Jadlaoui

Fer Jadlaoui

Experte für Gips- & Immobilisationstechnik

Mit über 35 Jahren klinischer Erfahrung im Spitalalltag in der Schweiz schult er Ärzte, Pflegefachpersonen und MPA in praxisnahen Gips- und Schienentechniken sowie in der gezielten Komplikationsprävention.

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